Presse

Von malendem Erzählen zu inniger Sanglichkeit

Konzertabend mit Jale Papila und Franck-Thomas Link. Von Uwe Lehmann

Nartum. „Das Kunstlied ist in den Gesellschaftssalons des 19. Jahrhunderts entstanden. Heute im Haus Kreienhoop kehrt es wieder dorthin zurück“, erklärte die Sängerin Jale Papila ihrem Publikum in der Kempowski-Stiftung. Zusammen mit dem Pianisten Franck-Thomas Link gab die Altistin einen glanzvollen, hoch beglückenden Konzertabend mit Liedern von Robert Schumann, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Johannes Brahms.

Papila, Dozentin an der Sängerakademie Hamburg und Gast bei der Dresdener Philharmonie sowie in verschiedenen Opernhäusern, interpretierte Schumanns Dichterliebe nach Gedichten von Heinrich Heine. Die 16 Lieder beschreiben die Gefühle der erwachenden und verschmähten Liebe, wobei es Schumann darum ging, den dichterischen Ausdruck der Stimmungswechsel im seelischen Befinden musikalisch zu gestalten. Die 1840 entstandenen Kompositionen wurden 1861 von Johannes Brahms in Hamburg uraufgeführt.

Felix Mendelssohn, den Schumann als „Mozart des 19. Jahrhunderts“ lobte, habe „die Widersprüche der Zeit versöhnt“. Auch er prägte die Empfindungswelt der Romantik. Im Haus Kreienhoop erklangen Kompositionen nach Texten von Heine und anderen romantischen Lyrikern. Kompositorisch und in der Auswahl der zugrunde gelegten Texte geht Johannes Brahms eine Generation nach Mendelssohn deutlich neue Wege.

In der kongenialen Interpretation durch die Altistin und den begleitenden Link, künstlerischer Leiter des Hamburger Kammerkunstvereins, ergab sich ein vollendeter Dreiklang der beteiligten Komponisten. Die biegsame, stets beherrschte Stimme Papilas wechselte mühelos von zartester, durchglänzter Klarheit zum Ausdruck voller dramatischer Wucht. Heutiger Auffassung entsprechend, setzte sie bedeutungsschweres Vibrato angenehm sparsam ein. Von lyrisch verhaltenem Timbre zu keckem Hüpfen, von schönem, malendem Erzählen zu inniger Sanglichkeit mit immer wieder strahlendem Aufblühen entführte sie ihre Zuhörer und ließ sie „träumen einen seligen Traum“ (Heine), am Flügel begleitet mit schönen Empfindungsbögen. Link nahm die Gefühle der Hörer auf, artikulierte und gestaltete sie, verstand aber auch, sie zu beruhigen. Stimmungs- und Rhythmuswechsel bahnte er an, bündelte sie ausleitend.

Am Vortag hatte eine Spenderin aus dem Bielefelder Raum der Stiftung ein Gemälde des Rostocker Malers Egon Tschiersch von 1936 übergeben, das nach dem Konzert im Rostock-Zimmer begutachtet wurde.

Rotenburger Rundschau, Juni 2014

Den Tod wie einen guten Freund einfach umarmen

Obernkirchen. Von Frank Westermann

Er wird zu gern als eine Art Bilderstürmer der Klaviergeschichte dargestellt: als Pianist, der seine Werke gnadenlos herunternagelt und dabei die Grenzen der Harmonik mit Dissonanzen und ungewohnten Akkordkombinationen bis auf das Äußerste strapaziert. Doch Sergej Prokofjew wäre so nur unzureichend umschrieben. Franck-Thomas Link führt es im Rahmen der Internationalen Klavierkonzerte im Stiftssaal vor, als er die Sonate Nummer 3 in a-Moll des russischen Pianisten und Komponisten spielt: sehr milde, sehr angereichert mit Spuren des Spätromantischen – aber auch mit dem Witz, Sarkasmus und heftigem Wahnwitz behaftet, die diese Musik teilweise bis an die äußersten Grenzen der Tonalität führt. Link und Prokofjew, das passt prima zusammen, und wir hören im Konzert schon eine zupackende, hart ausmeißelnde Hand, die gerne auch richtig Vollgas gibt.

Auch Claude Debussy liegt dem Leiter des Hamburger Kammerkunstvereins: Die „Images II“ lassen viel Platz für das virtuose Klavierspiel, das bei Link indes niemals eitel im Vordergrund steht: Zwar liefert er den Tastendonner, ohne den ein Klavierabend wohl nicht auskommt, aber selbst in den Extremen verlässt er nie den Rahmen der am Stück orientierten interpretatorischen Lauterkeit: Volltönend und tief wie ein Canyon in Utah, und kristallklar und schillernd wie ein zugefrorener Eissee im Mitternachtsmond – Link lässt Debussy viel Platz, damit sich die Harmonien entfalten können.

Landpartie in Bückeburg, Start der Frauen-WM und dazu allerbestes Grillwettter nach einem verregneten Wochenende: Am Sonntag konnte das Konzert gegen diese Konkurrenz zahlenmäßig nicht bestehen, nur 40 Zuhörer verloren sich ein bisschen im Saal. Sie wurden Zeuge eines Konzertes, in dem sich Franck-Thomas Link etwas traut und mit Debussy und Prokofjew zwei Komponisten des 20. Jahrhunderts auf zwei Werke von Joseph Haydn und Franz Schubert prallen lässt, die noch tief ihren Entstehungsjahren verhaftet sind.

Während Link Haydns zauberhaftes „Andante con variazioni in f-Moll“ leuchten lässt, es fließend und galant und graziös interpretiert, so vergießt er sein Herzblut bei Schuberts Sonate in B-Dur; und zwar Tropfen für Tropfen.

Im Leben des mit 31 Jahren jung gestorbenen Musikers nimmt sie eine Sonderstellung ein, gemeinsam mit der C-Moll- und der A-Dur-Sonate entstand sie im letzten Lebensjahr, allgemein wird angenommen, dass Schubert sich seines baldigen Abschiedes bewusst war und sein fleißiges Arbeiten immer vom Gedanken und Gefühlen zu Leben und Tod begleitet war. Die B-Dur-Sonate, der Link den gesamten Raum nach der Pause einräumt, schwelgt geradezu in „freundlichen Melodien“ (Link), so als habe sich Schubert mit dem Tode abgefunden, als klinge in ihm eine innere Stimme, die sich auf den Abschied eingestellt hat.

Und so wie in der Romantik das große Weltganze der Einsamkeit des Individuums nur den Weg der Qual und der Verzweiflung offenlässt, der untrennbar mit der Verklärung der Gefühle verbunden ist, so findet Schubert hier einen anderen, einen ganz eigenen Ausweg, den Link einmal selbst so beschrieben hat: „Schubert lässt uns mit seiner Misere, dass er jetzt stirbt, nicht einfach stehen. Er beendet sein Sonatenwerk und sein Leben mit Freundlichkeit und Traurigkeit, mit heiteren Melodien aus dem Material des Seufzers.“ Link, bei dem sich höchste Präzision mit brillanter Anschlagskultur paart, spielt eine über weite Strecken verinnerlichte und sehr zurückgenommene Version, was die Eindringlichkeit der Darbietung noch maßgeblich steigen lässt. Er entlässt seine Zuhörer mit dem Gedanken, ob man nicht selbst auch den Tod – in ferner Zukunft – wie einen Freund einfach umarmen sollte.

Mehr kann ein Konzert nicht erreichen.

Schaumburger Nachrichten, Juni 2011

Schlosskonzert verführte zum Träumen

Brahms-Solisten entführten Publikum in andere Dimensionen

Winsen. Eine Kammerkonzert-Delikatesse bot der Kulturverein Winsen am Wochenende anlässlich des 175. Geburtstages von Johannes Brahms. Brahms galt schon in jungen Jahren als Ausnahmemusiker. Mit seinem Werk voller Schmelz und Dramatik verzauberten die Brahms-Solisten aus Hamburg die Besucher des Schlosskonzertes im Marstall.

Barbara Bultmann (Violine), Miriam Götting (Viola), Cosima Gerhard (Violoncello) und Franck-Thomas Link (Flügel) lebten den Sturm und Drang der Musik Brahms' mit und boten den Zuhörern ein leidenschaftliches Bekenntnis voller zu Herzen gehender Innigkeit. Schon zu Beginn des Programms verführten sie das Publikum mit der Sonate für Violoncello und Klavier zum Schwelgen. Die weich gestrichenen Klänge des Cellos wiegten sich mit den Pianotönen. Die Instrumentalisten lebten die Musik ohne gefühlsduselig zu sein. Franck-Thomas Link zeigte auf dem Flügel eine Virtuosität voller Kontraste, die sowohl Solo als auch im Zusammenspiel brillierte. Bei den Liedern unterstrich die hervorragende Altstimme von Jale Papila die Klänge der Musik ohne sie zu überlagern. Klavier und Stimme ergänzten sich in Klangfarbe und Klarheit. Besonders "Meine Liebe ist grün" gefiel den Besuchern. Den Liedtext dazu dichtete einst Brahms' Patensohn Felix Schumann, das jüngste Kind von Clara Schumann. Beim geistlichen Wiegenlied, das die Melodie von Josef, lieber Josef mein" variierte, erzeugte die Romantik schon fast eine Gänsehaut. Und mit "Guten Abend, gute Nacht" entließen die Brahms-Solisten die Zuhörer voller Weichheit aus einem Traumkonzert in andere Träume.
Winsener Anzeiger, Oktober 2008

Wenn Wünsche musikalisch in Erfüllung gehen:

Klassisch-romantischer Liederabend im Kur- und Kongresshaus begeistert Zuhörer

Berchtesgaden - Am vergangenen Freitag sollten die Gefühle der Zuhörer angesprochen werden. Das Programm war wahrhaftig kein gefühlsduseliges Allerlei, sondern vielmehr mit höchstem Fingerspitzengefühl ausgewählt und zusammengestellt.

Jale Papilas (Alt) hohes stimmliches Niveau wurde bereits aus dem kleinen Lebenslauf im Programmheft ersichtlich. Sie studierte an der Musikhochschule in Dresden, absolvierte Meisterkurse bei den ganz Großen wie Elisbeth Schwarzkopf, Peter Schreier und Cord Garben. Bereits seit Jahren in ganz Europa zu hören, unterrichtet sie seit 2005 als Dozentin an der Sängerakademie Hamburg.
Franck-Thomas Link als Pianist und Liedbegleiter begann sich bereits sehr früh der Musik und da speziell dem Klavier zuzuwenden. Auch er ist seit vielen Jahren international gefragt. Seit 1999 leitet er den Kammermusikverein Hamburg. Als Solist profilierte er sich mit seinem Können bereits in Kanada, Japan und China.
Dass diese beiden sich kongenial ergänzen, konnte man an diesem Abend hören und sehen. Eine Art Symbiose von Instrument und Stimme fand hier statt, in der das Gleichgewicht stimmte, in der das Klavier, zwar ursprünglich mehr als Begleitung gedacht, dennoch aber eher als Vervollständigung zum perfekten Ganzen, spürbar wurde, ohne je der Stimme der Sängerin Raum und Entfaltungsmöglichkeit zu nehmen. Einer Altstimme, die alle Facetten der Klangkunst beherrschte und dabei immer die richtigen Register ziehen konnte, ohne je aufdringlich zu wirken.
Die Zeit der Romantiker des 19. Jahrhunderts ließen die Musiker mit Liedern von Robert Schumann (1810-1856) und Franz Schubert (1797-1828), viele mit elegischem, ja traurigem Charakter wundervoll interpretiert, ebenso wie die des Schumannverehrers und Zeitgenossen Johannes Brahms (1833-1897) wieder auferstehen, ohne eine depressive Stimmung zu vermitteln. Trotz aller Mollklänge. Besonders erfrischend auch die von Jale Papila leicht szenisch und schwungvoll untermalten heiteren Lieder Brahms', wie beispielsweise das der ständig von der Mutter fordernden und dabei unentschlossenen Tochter: "Och Modder, ich will en Ding han." Bis sich dann schlussendlich herausstellt, dass dies "Ding" doch ein ganz bestimmter junger Mann ist.
Nach der Pause folgte eine Uraufführung eines Stücks von Komponist R. HIaeschen und Textautor C. G. Waller, die beide anwesend waren: der Liederzyklus "Sternenträume" mit den Liedern "Romeo und Julia", "Mondnacht", "Vaterunser" und "Himmlisches Wiegenlied". Dass diese Klänge erst vor kurzem entstanden sein sollen, erstaunte. Und erfüllte sicher nicht die Erwartung, eine zeitgenössische Komposition zu hören. Andererseits bedienten sie unseren aktuellen Zeitgeist und den darin entstehenden Wunsch zur einfachen Harmonie, zum "Früher", ohne in Oberflächliches abzugleiten.
Wie passend daher "Nur wer die Sehnsucht kennt" von Peter Tschaikowsky (1860-1903), Hugo Wolfs (1860-1911) "Kennst du das Land", Gustav Mahlers (1860-1911) "Urlicht" und Richard Wagners (1813-1883) "Träume". Hier konnten wahrhaft Wünsche, Träume und Sehnsüchte zumindest musikalisch aufs Beste in Erfüllung gehen. Und dass dies gelang, bezeugte der lange und intensive Applaus, der mit drei Zugaben belohnt wurde. Insgesamt war es also ein, ganz dem Thema entsprechend, romantischer Abend. Wohlgemerkt romantisch, nicht oberflächlich seicht."
Berchtesgadener Anzeiger, Februar 2008

Hamburger zeigt musikalische Tiefe und ungebärdigen Übermut

"Franck-Thomas Link versteht es, Kraftvolles, zuweilen Ekstatisches mit weitbogiger Gesanglichkeit zu verbinden. Dank nuancierter Anschlagskultur durchwehten opalisierende Töne den Saal und verwandelten das Instrument in eine Palette von Klangfarben"
Schaumburger Zeitung, Januar 2005

Viel Licht, wenig Schatten

"Erfreulich stellt sich das Grieg-Recital von Silke Schimkat dar. In der Subtilität der Gestaltung kann die Altistin sehr wohl mit Anne Sophie von Otters preisgekrönter CD konkurrieren, nicht zuletzt durch Schimkats intensive Auseinandersetzung mit der norwegischen Sprache und die klanglich delikate Begleitung von Franck-Thomas Link."
CD mit Liedern von Edvard Grieg, Fonoforum, April 2003

Makellose Virtuosität

"Franck-Thomas Link verfügt über eine makellose Virtuosität, einen von Nuancen erfüllten Anschlag, eine seltene Expressivität, explosives Temperament, kurz: alles, was die ganz Großen ausmacht. Dazu kommt sein Auftreten, ein Kontakt zum Publikum, das sich ihm, gleich als er das Podium betrat, ergab."
(L´Indpendant)

2002 - 2017 © Hamburger Kammerkunstverein e. V.